Montag, 8. November 2010Der Tag, als ich Infrarot sahJetzt bin ich Rentnerin, doch noch immer hallt mir das monotone Maschinengeräusch und das dusselige permanente Gerede meiner Kollegen in den Ohren. Es wurde also höchste Zeit. Ich musste einmal abschalten. Dringend! Eine Bekannte hatte mir von ihrer Neuerwerbung, einer Wärmekabine berichtet. Eine ganz wunderbare Anschaffung, gut für den Stoffwechsel, schonender als eine herkömmliche Sauna und gut und kostengünstig zuhause zu betreiben. Ich war begeistert! Das wäre auch etwas für mich, dachte ich und schlug den Kleinanzeigenteil unserer Lokalzeitung auf. Nach einigem Suchen wurde ich fündig: "Wärmekabinen günstig" verlautete die Überschrift der Anzeige, und darunter folgte: "aus Geschäftsauflösung: 10 Wärmekabinen günstig abzugeben!, Preis 300€ VB." 300 €? das wäre ja spottbillig! Meine Bekannte hatte das Doppelte bezahlt. Ich rief also an, bestellte eine der Kabinen, die schon am nächsten Tag geliefert und im Keller aufgebaut wurde. Wie gut sie aussah! Wie eine schwedische Holzhütte! Man musste sie nur betrachten und schon schweiften die Gedanken ab in Richtung Freiheit, endlose skandinavische Weiten und himmlische Ruhe, nur manchmal durchzogen von einem Elchruf. Ich entkleidete mich, nahm in der 1qm großen Kabine Platz, schaltete den Thermostat auf 60° und wartete auf Entspannung. Achhhhh- herrlich- eine wohlige Wärme breitete sich in meinem Körper aus, ich fühlte mich wohl, fast ein wenig entrückt. Bis plötzlich: net...net...net.. Schweißperlen tropften von meinem Gesicht auf den Oberschenkel und schlugen mit einem Geräusch auf, das ganz dem bekannten und verhassten an meiner alten Arbeitsstelle ähnelten. Es ratterte und ratterte, monoton und unbarmherzig... In jeder aufschlagenden Schweißperle erkannte ich plötzlich die alten Kollegen, die Fabrik, meinen Vorarbeiter, alle redeten durcheinander, begleitet vom gleichmäßigen Rattern der Maschinen. Kreischend verließ ich die Kabine. Trackbacks
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